Die Geschichte von Fränzchen dem Bären

Hallo liebe Kinder,

meine Name ist Fränzchen und ich bin der Bär von Paul.

Kommt, nehmt es nicht so krumm, dass der Junge dem ich gehöre Paul und nicht Tim, Patrick, Sven oder so heißt, denn das, was ich euch erzählen möchte, ist auch nicht ganz taufrisch.

Paul ist nämlich mittlerweile auch schon erwachsen und meine Geschichte liegt einige Jahre zurück. Sie soll Dir ja auch nur helfen, vielleicht die Angst zu verlieren, wenn von einem Krematorium gesprochen wird.

Damals war Paul 10 Jahre alt und wir haben ein Krematorium besucht. Das war für uns beide eine Erfahrung, die wir sicherlich nicht vergessen werden. Wir waren neugierig, denn wir wussten ja nicht, was da so alles passiert. Und wahrscheinlich, geht es Dir genauso, wenn Du das jetzt hier liest. Aber das ist ja auch gerade der Grund dafür, dass ich Dir hier meine Geschichte von damals erzähle.   laughing

Da gab es einen netten älteren Herrn und den konnte Paul alles fragen.

Ich versuche mal, das Gespräch so wiederzugeben, wie ich es in Erinnerung habe und hoffe, dass bei mir, meine im Kopf sitzende Festplatte, noch funktioniert.   innocent
Auch als Bär wird man nicht jünger.

Ich glaube es lief damals so ab als wir in das Krematorium kamen:

Empfangen wurden wir von einer netten jüngeren Dame, die uns dann in die Objut eines gutmütigen älteren Herrn gab. Vielleicht kam er uns auch nur älter vor, denn wir waren ja beide damals noch taufrisch.

Jedenfalls ist mein Paul ja nicht auf den Mund gefallen und so plapperte er gleich drauf los. Er viel quasi mit der Tür ins Haus.

Paul fragte: "Was passiert, wenn jemand tot ist?"

Nehmen wir einmal an, was wir im Moment nicht hoffen wollen, dass Dein Papa stirbt.

Wenn das zu Hause passiert, dann ruft z. B. Deine Mutti erst einmal einen Arzt an. Das ich ganz wichtig, denn der Arzt muss einen Totenschein ausstellen. Der Totenschein besagt, dass der Mensch wirklich tot ist und erst dann kann Deine Mutti einen Bestatter anrufen. Ohne den Totenschein darf nämlich kein Bestatter in Deutschland einen Toten transportieren.

Mal eben als Klug-Bär was einwerfen muss: Du kannst daran schon erkennen, dass wir in Deutschland viele Vorschriften haben. Aber wir waren ja froh, dass der nette ältere Herr auch ein bisschen Ahnung von der deutschen Situation hatte. 

Der Bestatter oder auch eine Bestatterin kommt dann entweder zu Euch ins Haus oder man vereinbart einen Termin für ein Gespräch beim Bestatter.

In dem Gespräch wird dann darüber gesprochen, wie alles gemacht werden soll. Ob man eine Abschiedsfeier machen möchte, ob ein Pfarrer eine Rede hält, welcher Sarg genommen wird und eben alles, was der Familie wichtig ist.

Ganz wichtig ist natürlich auch, ob der Mensch eine Erdbestattung oder Feuerbestattung bekommen soll.

Wenn Deine Mutti sich für eine Feuerbestattung entscheidet, dann kommen wir ins Spiel.

In einem Krematorium gibt es ganz besondere Öfen, die für die Einäscherung eines Menschen gebaut sind.

 

Weil ich ja mit Paul im Krematorium war, habe ich mir überlegt, dass ich Dir ein paar Bilder zeige, was ich da zu sehen bekommen habe. In dem Krematorium wo ich war, sah es ein bisschen so aus, wie auf dem 2. Bild.

Hier kannst Du sehen wie ein Sarg in so einen Ofen im Krematorium kommt: 

altes Krematorium

Ich habe hier ein Bild, wie das in einem älteren Krematorium mit mehreren Öfen aussehen kann.

Klar ist, das die Menschen nicht so nah an den Ofen kommen, denn wenn die Klappen auf gehen, dann ist es ganz schön heiß. Damit aber den Menschen nichts bei ihrer Arbeit passiert, wird der Sarg eben wie auf den Bildern zu erkennen, in den Ofen eingeführt.

Das Bild zeigt Dir eine etwas andere Art wie das eben auch möglich ist. Da gibt es noch ein paar andere Techniken, wobei ich denke, das Du Dir jetzt schon einmal ein Bild davon machen kannst, was Paul und ich so gesehen haben.

Dann erzählte der Herr weiter:

Nachdem die Einäscherung vorbei ist, was so ca. 90 Minuten bei einem ausgewachsenem Menschen dauert, und bei ca. 1.000 Grad passiert, bleiben die Knochen übrig.

Da aber die Knochen nicht alle so klein sind, dass sie in eine Aschenkapsel - dass ist so ein Gefäß - hinein passen, werden die Knochen gemahlen und das sieht dann so aus:

    

So eine Aschenkapsel ist ja nicht besonders schön und deshalb sieht man auf dem Friedhof, wenn eine Beisetzung dort stattfindet, selten so eine Kapsel.


Da sucht sich z. B. Deine Mutti, vielleicht auch in Absprache mit Dir, eine schöne "Urne" aus.

Eine Urne ist ein Gefäß, in das so eine Aschenkapsel kommt, damit man diesen hässlichen schwarzen Topf nicht sieht.

Hast Du vielleicht schon einmal so eine "Überurne", manche sagen auch Zierurne, gesehen? 

"Hm," sagte Paul und überging die Frage des netten älteren Herrn, "das habe ich ja alles verstanden. Aber tut das denn nicht weh wenn man verbrannt wird?"

Der ältere Herr lächelte und meinte: "Nein, wenn jemand tot ist, dann spürt er nichts mehr."

Wobei ich mir als Bär darüber so meine Gedanken mache. Denn ich kenne bisher niemanden, der mir das erzählt hat und wer weiß denn wirklich, was so ist, wenn man tot ist? Gehört habe ich jetzt im Laufe meines längeren Lebens schon viel über Tod aber mit einem Toten konnte ich noch nie sprechen. Ich glaube, das ist genau der Punkt, da geht einfach vieles nicht mehr.  undecided

Ach ja, ich muss ja eigentlich auch noch sagen, dass ich damals in einem niederländischen Krematorium war. Da durfte man nämlich auch früher schon rein und da wurden auch schon immer Führungen gemacht, damit Menschen die Angst vor einem Krematorium verlieren. Soweit ich weiß, ist das jetzt in den letzten Jahren auch in manchem deutschen Krematorium möglich. Aber lange noch nicht überall.

Also, wenn Du da etwas über ein deutsches Krematorium wissen möchtest, so für den Fall der Fälle, dann einen Bestatter vor Ort fragen oder im Krematorium anrufen.

Jedenfalls war Pauls Neugier geweckt und er wollte mehr wissen und deshalb kam promt seine nächste Frage.

"Was geschieht da genau im Krematorium?"

Also bei uns ist das oft so, dass die Menschen im Krematorium eine Verabschiedung machen. In Deutschland heißt das wohl "Trauerfeier", jedoch mit dem Wort kann ich nicht viel anfangen. Ich habe schon einige Male mir dazu Gedanken gemacht, jedoch weiß ich nicht, wie ich die Trauer feiern soll. Also sagen wir hier Abschiedsfeier oder Gedenkfeier. 

Wenn die Familie ankommt, dann haben wir ein spezielle Zimmer für die Familie. Wir nennen es Familienzimmer und dahin begleiten wir die Familie. Also nur die Menschen, die Deine Mutti z. B. dabei haben möchte.
Evtl. Dich, Deine Geschwister und vielleicht auch die Eltern von Deinem Papa. Das entscheidet aber alles Deine Mutti.

Alle anderen Gäste die eingeladen sind, kommen in einen anderen Raum. Das ist die Feierhalle.

Damit Du eine kleine Vorstellung von niederländischen Feierhallen bekommst, hier einmal 2 Bilder:

Feierhalle in Baexem

Große Feierhalle in Heerlen - 90 Sitzplätze

Ich als Bär mal sagen muss: Wie unschwer zu erkennen ist, haben diese wundervollen Räumlichkeiten absolut nichts mit unseren kalten, dunklen Friedhofshallen, in denen bei uns Abschied genommen wird, zu tun.

Eigentlich fühlt man sich wie zu Hause, denn es ist ein sehr schönes Ambiente (Umfeld). Das Wort hatte ich übrigens auch damals noch nicht in meinem Sprachgebrauch.  embarassed
Aber mit zunehmendem Alter, wird man ja klüger.

So, nun aber weiter im Text:

Der Bestatter bringt den Sarg mit dem Verstorbenen und organisiert alles, was in der Feierhalle gemacht werden muss, damit diese dann so aussieht, wie Deine Mutti es sich vorgestellt hat. Das wird eben vorher auch besprochen und oft, wenn jemand so gar keine Vorstellung hat, dann richtet der Bestatter es so aus, wie er denkt, dass es gefallen würde. Dazu braucht der Bestatter ein gutes Gespür für die Menschen die er betreut.

Ich zeige Dir gerne ein paar Bilder, wie die Halle aussehen kann. Vielleicht hast Du aber auch schon einmal etwas ähnliches in Deutschland in einer Trauerhalle gesehen?

Daran war Paul aber jetzt gar nicht interessiert, denn ihm brannten da noch andere Fragen unter den Nägeln und er meine:

"Ja, ja, das kann ich mir vorstellen. Viele Kerzen, Blumen und ich glaube, es gibt dafür auch Kränze mit Schleifen."

Hm meinte der Herr lächelnd, ja, das ist richtig. Aber man kann da wirklich ganz viel machen, wenn die Familie es möchte. Nicht nur die Musik spielen, die der Verstorbene vielleicht mochte, sondern vielleicht auch eine Sängerin kommen lassen. Also, wenn ich jetzt erzählen würde, was wir hier schon alles in Zusammenarbeit mit dem Bestatter möglich machten, dann würde das viele Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Nur mal so, damit Du Dir vielleicht eine kleine Vorstellung machen kannst: Wie bei einer Hochzeit beispielsweise Tauben fliegen lassen oder bei Kindern werden oft Luftballons steigen gelassen mit guten Wünschen.

Es kann ja auch sein, dass ein ganz alter Mensch gestorben ist oder ein sehr kranken Mensch, dann ist man vielleicht nicht ganz so traurig, weil der Mensch nicht mehr leiden muss. Ist ja alles eine Frage, wie man es sieht.

Manchmal sind es aber auch schwerst kranke Kinder und dann ist der Abschied von dieser Person für Eltern und Geschwister sowie die Großeltern, sicherlich weitaus schwieriger. Man möchte doch am liebsten die Menschen die man liebt weiter bei sich haben.

Aber die Feiern können einfach helfen, den Verlust besser zu begreifen und dadurch, dass viele Menschen bei einem sind, weiß man auch, dass man nicht mit dem Schmerz alleine ist.

In so einer Feier können auch die Menschen selbst noch etwas über die verstorbene Person erzählen und man kann auch an den Sarg gehen und Abschied nehmen. So, wie man das auf dem Friedhof auch machen würde, wenn ein Sarg in die Erde gegeben wird. Hier machen die Menschen es eben bevor der Verstorbene in den Kremationsofen kommt. Aber dabei könnte z. B. dann auch die Ehefrau und die Kinder dabei sein. Das ist in den Niederlanden alles möglich und auch selbstverständlich.

"Wie geht es denn nach der Feier weiter?"

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen bleiben hier im Krematorium und trinken zusammen Kaffee und Tee. Essen Kuchen und unterhalten sich noch über den verstorbenen Menschen.

Wir haben dafür extra Räumlichkeiten und somit muss bei uns niemand in ein Lokal gehen und man bleibt wirklich unter sich.

"Und was passiert dann mit dem Toten?"

Wenn alle Menschen die Feierhalle verlassen haben, dann wird der Verstorbene zum Ofenraum gebracht. Die Blumen draußen abgelegt. Da gibt es Plätze wo wir sie hinlegen. Sie dürfen nämlich nicht mit in den Ofen. Maximal ein paar, beispielsweise 3 Rosen, die liegen dann auf der Kiste.

Paul stutze und fragte: "Was für einer Kiste?"

Jetzt war der nette Herr doch ein bisschen neben der Spur und Paul sagte: "Meinen Sie den Sarg?

Ja, ja, Entschuldigung, so heißt das in Deutschland, sagte er. Bei uns heißt es einfach Kiste.

Dadurch, dass Paul ja schon erfahren hatte, was so im Krematorium passiert, hatte er eigentlich jetzt nur noch die Frage, was denn in den Niederlanden mit der Asche des Toten passiert.

Neugierig fragte er: "Wo kommt denn später die Asche vom Toten hin?"

Da gibt es viele Möglichkeiten, sagte der ältere Herr. In den Niederlanden dürfen die Menschen die Asche nach 30 Tagen abholen und mit nach Hause nehmen. Sie dürfen eigentlich damit machen, was sie möchten. Hier gibt es keinen Zwang, dass die Asche auf einen Friedhof muss. Wenn Menschen das aber möchten, können sie das natürlich auch machen. Sie können aber auch die Asche noch nach vielen Jahren zum Friedhof bringen. Viele Menschen lassen sich auch Asche in Schmuckstücke einfüllen. Dann kann der Mensch, den man sehr lieb hatte, für die Zeit, die es einem wichtig ist, bei einem sein.

Schau einmal, so ein Schmuckstück könntest Du tragen, wann immer Du magst und so hättest Du Deinen Papa immer bei Dir. Ist das nicht eine schöne Möglichkeit?

Paul schaute ein bisschen verdutzt aber dann hellte sich sein Gesicht auf und er sagte: "Ja, eine klasse Idee. Egal wo ich hingehe, ich könne Papa immer mitnehmen. Und wenn ich das nicht mehr möchte, dann lege ich ihn in mein Nachtschränkchen in die Schublade. Aber er bleibt so immer in meiner Nähe."

Ja, sagte der ältere Herr und strahlte über das ganze Gesicht. So kann bei uns jeder mit dem Verlust leben und es machen wie es für ihn richtig ist. Ob Asche in einem Schmuckstück, zu einem Diamanten oder Edelstein verarbeitet, oder der größte Teil in einer wunderschönen Urne, die aber nicht so aussieht oder einfach die Asche im eigenen Garten. Alternativ auch in der Natur oder im Meer. Den Möglichkeiten sind einfach kaum Grenzen gesetzt.

Wenn Du mal schauen möchtest, was da so alles geht, dann klick hier!

Später könnte man die Asche, wenn man das möchte, natürlich auch noch auf einen Friedhof bringen. Also alles ganz zwanglos und wichtig ist für uns, dass wir wissen, dass die Menschen, die wir betreuen, mit dem Verlust leben können.

Und bevor wir dann am Ausgang waren, vielen Paul noch 2 Fragen ein: "Wie ist das eigentlich mit dem Sarg, kommt der immer mit in den Ofen? Und dann möchte ich auch unbedingt noch wissen, ob immer nur 1 Sarg da rein kommt?"

Der Herr lächelte Paul ganz milde an und sagte: "Es wundert mich, dass diese Fragen nicht schon viel früher von dir gekommen sind.
Aber das kann ich Dir ganz schnell erklären. Es ist immer nur ein Sarg der rein kommt und zwar genau der Sarg, den die Menschen für ihren Menschen ausgesucht haben. Da kann, wenn wir ordentlich arbeiten, nichts passieren.
Was in der Aschenkapsel ist, das ist dann die Asche des Menschen, der auf dem Deckel angegeben ist.

In der Kapsel ist dann noch ein Schamottestein. Der hat eine Buchnummer und da steht der Name des Krematoriums drauf, wo eingeäschert wurde. Somit kann man immer feststellen, welche Asche in der Kapsel ist.

Na, alles klar junger Mann?

Ja, und dann war auch alles für uns klar und so ging dann der Tag zu Ende und Paul und ich hatten eine Menge gelernt.

Wahrscheinlich geht es Dir genau so, dass Du schon öfter mal darüber nachgedacht hast, wie das wohl in einem Krematorium so zugeht und was wie passiert.

Ich hoffe, Dir haben meine Ausführungen geholfen.

Wenn Du noch Fragen hast, dann schreib mir einfach eine E-Mail.
fraenzchen[at]weg4u.de (natürlich musst Du das [at] durch das @ Zeichen ersetzen.  wink

Ich wünsche Dir noch ein langes und gesundes Leben!

 

Dein Fränzchen der Bär